Sie sind im Verborgenen und doch laut zu hören. - Die Glocken

Glocken St. Josef

Am 1. Oktober 1966 beschloss der Kirchenvorstand von St. Josef in Mühlhausen unter dem Vorsitz von Dechant Ruppel ein neues Geläut anzuschaffen, dass aus vier Glocken bestehen sollte. Dechant Ruppel sollte die Verbindung mit der Glockengießerei Schilling in Apolda aufnehmen. Zur großen Freude der Gemeinde sind die Glocken am 15. Juni 1967, also vor 55 Jahren, eingetroffen und wurden im Vorraum der Kirche aufgestellt. Die Chronik führt dazu aus: „Am 18. Juni 19.30 Uhr wurden sie vom Dechant feierlich geweiht. Am 20. Juni hingen sie schon läutefertig im Turm und wurden abends zur Probe geläutet! Ein herrliches Geläut, zu dem der Musikdirektor von Erfurt, Herr Kümpel, der sie geprüft hat, die herzlichsten Glückwünsche der Gemeinde ausgesprochen wurden.“ Damit dürfen wir im Juni diesen Jahres ein kleines Jubiläum feiern, 55 Jahre neue Glocken in der Pfarrkirche. 

Die Glocken haben folgende Namen und Gewichte:
· „Christus unser Herr“ - 2050 kg 
· „Maria unsere Fürsprecherin - 1150 kg
· „Josef unser Schutzpatron“ - 800 kg (Bild untern rechts)
· „Bonifatius unser Glaubensbote“ - 450 kg

Sie haben der Reihe nach folgendem Ton: d-f-g-b.

Bei solchen Erinnerungen wird vielleicht die Frage gestellt: Was war vorher?

In einem Zeitungsartikel aus dem Jahr 1928 ist folgendes zu lesen: „Am 1. März wurde der Firma Ulrich in Apolda der Auftrag gegeben, ein vollständig neues Geläut (d-f-g) zugießen unter der Inzahlungnahme der vorhandenen alten d-Glocke. Der Gefahr einer Glockendisharmonie sollte unter allen Umständen vorgebeugt werden. Am Freitag vor Pfingsten (25. Mai, Anm. des Verfassers) kamen die neuen Glocken an.“ Mit den neuen Glocken wurde auch eine elektrische Läuteanlage eingebaut.

Es ist davon auszugehen, dass die zwischen 1903-1905 errichtete Josefskirche vermutlich ein Geläut besessen hat, das aus einer oder mehreren Glocken bestanden hat. Wenn es mehrere Glocken gewesen sind, dann ist eine Glocke im Turm verblieben, die 1928 bei der Neuanschaffung des Geläutes in Zahlung gegeben wurde. Die anderen mussten vermutlich im Ersten Weltkrieg für Rüstungszwecke abgegeben werden.

So besaß die Kirche 1928 wieder ein vollständiges Geläut. In dem Zeitungsartikel ist weiterhin geschrieben: „Am Fronleichnamsfeste werden die Glocken zum ersten Male ihr Gloria in excelsis singen. Mögen sie Jahrhunderte hindurch den St. Josefs-Pfarrkindern ihr sursum corda (Empor die Herzen) läuten.“

Dieses „Jahrhunderte hindurch“ dauerte nur 14 Jahre. Am 16. Februar 1942 mussten zwei Glocken wie zuvor für Rüstungszwecke abgehangen werden. Die kleinste Glocke verblieb im Turm und rief die Menschen in notvoller Zeit zum Gebet. Über den Verbleib dieser Glocke ist bei der Neuanschaffung nichts bekannt.

Die letzte große Reparatur an den Glocken erfolgte im Herbst 2016. Die Glocken hingen in gekröpften Stahljochen, die durch die Zeit spröde geworden waren. Man entschied sich für gerade Holzjoche. Das hatte zur Folge, dass auch neue Klöppel eingebaut werden mussten, weil sich das Schwingverhalten änderte.

Das hat aber einen positiven Nebeneffekt: Die Klangentfaltung der Glocke verbessert sich dadurch. Die alten Klöppel sind in einer Klanginstallation auf dem Pfarrhof aufgebaut. Das Wort zur Glockenweihe von 1928 ist immer noch aktuell: „Mögen die Glocken Jahrhunderte hindurch den St. Josefs-Pfarrkindern ihr sursum corda (Empor die Herzen) läuten.“

Pfarrer Andreas Anhalt

 

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